Woher kommt der Name „Märzen“?

Gemäß dem Reinheitsgebot durfte nur zwischen dem Tag des St. Michael (29. September) und dem Tag des St. Georg (23. April) gebraut werden. In den Sommermonaten dazwischen wäre es jahrhundertelang auch ohne „Verbot“ sehr schwer gewesen, bei sommerlichen Temperaturen und ohne Kühlung, ein untergäriges Bier zu brauen. Zudem war damals die offene Befeuerung der Kessel immer ein nicht zu unterschätzendes Brandrisiko und der Herzog lies während den Sommermonaten die Sudpfannen versiegeln. Um trotzdem im Sommer gutes Bier genießen zu können, produzierten die Brauer gegen Ende der Brauzeit - insbesondere im Monat März - auf Vorrat. Dieses Bier lagerten sie in den kühlen bzw. mit natürlichem Eis zusätzlich gekühlten Bierkellern. Damit es die Monate besser unbeschadet überdauert, haben die Brauer für dieses „Märzenbier“ ein klein wenig mehr Malz und Hopfen verwendet. Daher kommt also der Name „Märzen“, der Tradition, geschichtliche Entwicklung und besonderen Geschmack verspricht.


Märzen - Faktencheck

Wie schmeckt ein Märzen?

Ein Märzen begrüßt die Augen mit einem warmen dunklen Goldton, der ins bernsteinfarbene übergeht und klar, leuchtend funkelt. Gekrönt wird die festliche Erscheinung von einem sehr stabilen, feinporigen weißen Schaum. Frische feine Malzaromen nach Getreide, Biskuit, leicht geröstetem Brot und etwas Karamell vereinen sich im Duft mit einer erkennbaren aber vornehm zurückhaltenden Hopfennote und einem kleinen Wink nach Honig im Hintergrund.

Im Antrunk spiegelt sich der malzbetonte Duft wider und es kommen zudem milde, nicht aufdringliche süßliche Noten hinzu. Das Mundgefühl bestimmt ein vollmundiger Körper, der durch gut eingebundene Kohlensäure mit zartem Mousseux den Gaumen streichelt und so das Ergebnis der traditionell sehr langen Lagerung schön zur Geltung bringt.

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Im Haupttrunk und im Finish werden die vielschichtigen malzigen und getreidigen Eindrücke von einer feinen Bittere harmonisch balanciert, die Ausgleich schafft und das Aromenkunstwerk zusammenhält. Der vorhandene etwas höhere Alkohol wirkt nur als Aromenverstärker und tritt sensorisch nicht in Erscheinung, so dass der Nachtrunk frisch und erstaunlich lange malzbetont ohne zu viel Süße spürbar bleibt.

Dieser unglaubliche Spannungsbogen von malzbetonten Aromen, die nie zu einseitig süß werden, vom Geruch über Antrunk und Haupttrunk zum Finish, lädt ein, in jeder Phase immer wieder neue Aromen zu entdecken und die festliche Harmonie zwischen Malz, Hopfen und Kohlensäure zu genießen. Ein tolles Bier, um zu feiern oder auch ein wertvoller Begleiter für Sonntagsbraten, würzigen Käse und als Bereicherung für Kalbsgerichte.


Warum ist in Österreich deren Märzen ganz anders?

In Österreich wurde nach dem 2. Weltkrieg das bis dahin dem bayerischen Märzen sehr ähnliche Märzenbier gesetzlich neu geregelt. So wurde der Preis festgelegt und entsprechend die Stammwürze reduziert, damit Brauer kostengünstiger herstellen und die Konsumenten es sich leisten können. Über die Jahrzehnte etablierte sich das Märzen in seiner neuen Ausprägung so in der Bevölkerung, dass auch nach Aufhebung der gesetzlichen Regelung 1977 der Bierstil als österreichisches Märzen so geblieben ist. Dieser unterscheidet sich deutlich vom bayerischen Märzen und ist einem Export bzw. einem stärkerem bayerisch Hellem ähnlich. In Österreich ist das Märzen nicht selten und macht mehr als die Hälfte des Bierausstoßes aus, aber das ist ja eine ganz andere österreichische „Märzen-Geschichte“ …


Märzen ist eine Seltenheit bei uns in Deutschland

Märzen ist in vielen Regionen Deutschlands sehr selten und fast vom Aussterben bedroht. Es bleibt mit einem Absatz von deutlich unter 1% vom Gesamtausstoß in Deutschland ein Nischenprodukt, das im Norden extrem selten und in Süddeutschland häufiger anzutreffen ist, wo es in Baden-Württemberg und Altbayern eine große Tradition hat.

Bei den meist nur saisonal verfügbaren Märzen darf man sich nicht nur auf das Etikett verlassen. Manches Mal wird bei der Bezeichnung aus Marketinggründen der weltweit sehr bekannte Bierstil Märzen verwendet. Der für ein deutsches Märzen durch die Verwendung von verschiedenen Malzsorten stilprägende ausdrucksstarke Malzkörper und die sehr lange Reifung im kalten Lagertank fehlen und lassen das Bier mehr in den gewohnten Geschmackspfaden von „artverwandten“ Bierstielen Lager, Export oder Festbier erscheinen. Möge aber hierzu jeder sich sein eigenes Urteil bilden bei den vielen Interpretationen dieser historischen Bierspezialität, die übrigens früher auch beim Münchner Oktoberfest getrunken wurde und sich über ein Festmärzen zum Festbier mit hellerer Farbe, reduziertem Malzcharakter, etwas mehr Hopfen und schlankerem Körper entwickelt hat.


Haben Sie so ein seltenes Märzen bei uns in Deutschland entdeckt, dann sagen Sie uns bitte wo und welches. Wir werden in den nächsten Monaten darüber berichten. Gemeinsam können wir so vielleicht dem bedrohten Bierstil helfen.

Informieren Sie uns bitte über Ihre Entdeckungen per E-Mail an marketing@gefako.de.