Genusserlebnis Winter- und Weihnachtsbiere

Das Brauen von ganz besonderen Bierspezialitäten zum Weihnachtsfest hat eine sehr lange Tradition, die auf die Wikinger zurückgeht. Die Wikinger brauten damals zwar zu Ehren der Wintersonnwende und auch nicht nach dem Reinheitsgebot, trotzdem wurde dieser Brauch gern bei uns in abgewandelter Form eingeführt. Daher gibt es nun nicht nur in Skandinavien sehr viele Weihnachtsbiere (z.T. mit weihnachtlichen Zutaten wie Orange, Zimt, Anis, Gewürznelke, Kardamom, Kakao oder Vanille) sondern auch bei uns in Deutschland eine Vielzahl an saisonalen Brauspezialitäten zum festlichen Anlass.

Ob diese dann als Weihnachtsbier, Winterbock, Festbier, Winterweizen, Weihnachtsbock, Winterbier, Weihnachtsmärzen, Adventsbier oder mit Zusätzen wie „Schnee“ oder „Christkind“ im Namen bezeichnet werden, wird von jeder Brauerei individuell festgelegt und meist kreativ auf dem Etikett umgesetzt. Dabei darf freilich ein Weihnachtsbier auch noch im Februar getrunken werden und ein Winterbier auch wenn gar kein Schnee liegt. Alle diese Biere eint, dass es kein ganzjährig verfügbares Bier mit „anderem“ Etikett ist, sondern es sich um eine extra zu diesem Anlass eingebraute Spezialität handelt.

Fast immer erhält das Malz eine besondere Rolle durch Spezialmalze oder ein besonderes Maischverfahren (z.B. Zwei- oder Drei-Maischverfahren) und gibt dem Bier eine dunklere warme Farbe, mehr Vollmundigkeit und etwas mehr wärmenden Alkoholgehalt. Also genau richtig, um die kalten kurzen Tage im Warmen genießen zu können.

Welche Bierspezialitäten gibt es?

Im Detail ist jedes Bier einzigartig und trägt die Handschrift des Brauers und der Brauerei. Trotzdem lassen sich die vielen Bierspezialitäten nach dem zugrundeliegenden Bierstil gliedern.


Festbier:

Ein Festbier vermittelt schon optisch und im Geruch eine feierliche Stimmung. Besonders die vielschichtigen Malzaromen, die untergärige Reinheit und die freudige Vollmundigkeit lassen die Herzen höher schlagen. Weitere interessante Informationen zu Festbier finden Sie in unserem Festbier-Spezial Bericht.


Märzen

Im Antrunk spiegelt sich der malzbetonte Geruch wider und es kommen milde, nicht aufdringliche süßliche Noten hinzu, die in den „Wintereditionen“ ausgeprägten sein können als bei den „Sommervarianten“. Die vielschichtigen malzigen und getreidigen Aromen sorgen mit spürbarer Kraft (mehr Stammwürze, etwas mehr Alkohol) für ein erhabenes festliches Genußerlebnis. Zusätzliche Geschichten und Fakten rund um den Bierstil Märzen haben wir für Sie im Märzen- Spezial Bericht zusammengestellt.


Bock | Doppelbock

Nur noch wenige wissen, dass die Tage von Martini bis Weihnachten ganz früher eine Fastenzeit waren und dies erst 1917 von der katholischen Kirche aufgehoben wurde. Jedoch sehr viele Menschen wissen, dass Bockbiere in der Fastenzeit eine besondere Berühmtheit erlangt haben. Mit diesem historischen Hintergrundwissen ist es also gut verständlich, dass es in der Weihnachtszeit viele Bock- und Doppelbockspezialitäten gibt. Diese sind der Jahreszeit angepasst oft etwas dunkler und malzaromatischer als die sonstigen Bockbiere. Bitte hier besonders darauf achten, dass die Bock- und Doppelbockspezialitäten nicht zu kalt getrunken werden, denn ein dunkler Doppelbock entfaltet sich bei Temperaturen von zehn, elf Grad hervorragend.


Weizenbock/Weizendoppelbock

Ein Weizenbock ist eine klassische süddeutsche obergärige Bierspezialität, die je nach Malzmischung ein breites Spektrum an Farbe von Bernstein bis Mahagoni aufweisen kann. Die Merkmale eines Weizenbieres mit stabiler und kräftiger Schaumkrone und vielschichtigen obergärigen Aromen zeigen sich noch deutlicher beim Weizenbock. Der Weizenbock erfreut durch eine ausgeprägte Aromenvielfalt. gutmann-weizen-bock.jpg

Diese gewürznelkenartigen, phenolischen, fruchtig-esterigen sowie Bananennoten spielen mit der Malzsüße während der Hopfen (sowohl Aroma als auch Bittere) im Hintergrund bleibt. Jedoch ist die Intensität und Ausdrucksstärke bei Malzkörper, bei Alkohol und allen fruchtig-würzigen Aromen beim Weizenbock deutlich größer als beim Weizen. Der vollmundige Antrunk setzt eine Geschmacksfülle in Bewegung, die malzaromatische und hefige Aromen wunderbar miteinander spielen lässt. Das Duft- und Aromenspiel wird beim Weizenbock aber nicht nur kraftvoller, sondern auch vielschichtiger, weil sich gern Pflaumennoten, Röstaromen, Trockenfrüchte und ein Hauch von Sherry oder Port hinzugesellen.

Das Mundgefühl bestimmt ein kräftiger vollmundiger Körper, der durch gut eingebundene ausgeprägte Kohlensäure mit zartem Mousseux den Gaumen streichelt und so den Weizenmalzanteil (verpflichtend mehr als 50%, in der Praxis meistens nicht mehr als 70%) mit seinen Viskosität steigernden Eigenschaften beim Haupttrunk schön zur Geltung bringt. Weizenbock kann eine Hefetrübung aufweisen was die vollmundige Wahrnehmung noch mehr stärkt. Nicht zu kalt bei 8-10 Grad breiten sich die Aromen vom Antrunk beginnend langsam aus und zeigen ein geschmacklich beeindruckendes Finish, bei dem alle Eindrücke von Bukett, Antrunk, Haupttrunk gleichsam zusammenkommen und sich vereinen zum weichen, cremigen Abschiedsgruß. Einige wunderbare Weizenbock/Weizendoppelbockbiere mit oder ohne Zusatz „Weihnachten/Winter“ haben wir für bei den Empfehlungen ausgesucht.


Hinzu kommen die winterlichen Interpretationen von Weizen, Pils, Dunkles, Export oder Porter. Als eine der ersten klassischen Bierstile in der winterlichen Saisonedition kamen 1998 die Schneeweiße von der Erdinger Weißbräu auf dem Markt. erdinger-schneeweisse.jpg

Hinzu kommen auch noch weitere tolle Biere, die zum Winter wunderbar passen auch wenn dies nicht extra erwähnt ist wie z.B. Aventinus oder Eisbock oder ein Porter oder ….oder. Es gibt hier für jeden viel zu entdecken!

Grenzen für die winterliche Kreativität der Brauer gibt es so gut wie keine wie uns große und kleine Brauereien immer wieder zeigen. Unterschiede gibt es aber beim Verständnis von einer saisonalen Spezialität. Der Kommerz ist noch nicht so schlimm wie bei Lebkuchen Anfang September, aber einige Winterbiere vor allem der großen nationalen Brauereien sind schon Anfang Oktober verfügbar. Kleine regionale Brauereien bringen Ihre Winterspezialtäten traditionell erst im November auf dem Markt – eben noch mehr wie es früher auch der Brauch war …Doch da die Biere gut haltbar und schnell ausverkauft sind, lohnt es sich (egal ob im Oktober oder November) schnell zu sein und dann bis zum März jede Flasche genießen.

Einige bekannte Biere hierzu …..